Dringend benötigt: Das Zwittum

Die deutsche Sprache ist nicht nur schwer, sondern auch sexistisch.
Das wissen wir ja schon lange: Angeblich geschlechtsübergreifende Bezeichnungen wie »die Studenten« entsprechen ja dem männlichen Plural und schließen die Studentinnen aus. Bisherige Lösungen basierten auf einem Binnenmajuskel wie »StudentInnen«, was nicht nur hässlich ist, sondern auch dazu geführt hat, dass ich mich immer gefragt habe, ob es eigentlich auch »StudentAußen« gibt. Oder aber man hat auf so sprachliche Ungetüme wie »Studentinnen und Studenten« zurückgreifen müssen, alternativ steht noch das substantivierte Adjektiv »Studierende« zur Verfügung, was gerade mir besonders komisch vorkommt, da ich aus eigener Erfahrung sehr gut weiß, dass man sehr wohl Student sein kann, ohne zu studieren.

An der Uni Leipzig kam man vor kurzem auf die schöne Idee, die weibliche Form als geschlechtsübergreifende Bezeichnung einzuführen und somit vom Herrn Professorin zu sprechen. Das ist auch nicht gerechter als vorher, aber immerhin werden somit endlich mal die Männer unterdrückt, was sie ja noch jahrhundertelanger Unterdrückung der Frauen auch mal ein bisschen aushalten können.

Ich habe mir aber nun eine endgültige und gerechte Lösung ausgedacht: Das Zwittum.

Das Zwittum ist ein neues Genus. Bisher kennen wir ja Maskulinum, Femininum und Neutrum. Während das Neutrum aber quasi für die Abwesenheit jeglichen Geschlechtes steht, schließt das Zwittum ausdrücklich beide Geschlechter ein.

Zuvor hatte ich übrigens den Plan, eine Schreibweise einzuführen, die den sog. regulären Ausdrücken diverser Programmiersprachen entspricht. Ein entsprechender Satz würde dann etwa so aussehen:
Die Student(en|innen) lauschen aufmerksam, denn (der|die) Professor(in)? hält einen Vortrag.

Das ist allerdings ein wenig kompliziert auszusprechen: »Die Student Klammer auf en oder innen Klammer zu lauschen aufmerksam, denn Klammer auf der oder die Klammer zu Professor Klammer auf in Klammer zu Fragezeichen hält einen Vortrag.«
Ist nicht schön. Zudem trifft dieser reguläre Ausdruck auch auf »die Professor« bzw. »der Professorin« zu, was ja auch nicht ganz richtig ist, zumindest nicht außerhalb der Uni Leipzig. So kam ich dann auf die Idee mit dem Zwittum.

Für das Zwittum brauchen wir zunächst neue bestimmte Artikel, die wir anstelle von »der, die, das« einsetzen können. Als Artikel für den Nominativ Singular schlage ich dis vor. Natürlich ließe sich anmerken, dass man beim Singular normalerweise weiß, ob man von einem Herrn oder einer Dame spricht und man folglich bei »der Student« bzw. »die Studentin« bleiben könne. Aber halt! Gelegentlich benutzt man ja auch den Singular, um eine Gruppe von Leuten zu bezeichnen, als Gattungsname. Zum Beispiel: »Der Russe, der ist schlecht« (und ich wähle diesen Satz, weil er früher hier in Westdeutschland gerne so gesagt wurde, was auch Udo Lindenberg mal aufgefallen ist).

Was sagen wir also nun, wenn wir »der Student muss viel lernen« sagen möchten, damit aber die Gattung meinen? Analog zum bestimmten Artikel schlage ich die Endung -is vor:
Dis Studentis muss viel lernen.

Machen wir mit dem Genitiv weiter: Anstelle von »das Buch des Studenten« oder »das Buch der Studentin« sagen wir nun:
Das Buch des Studentes.
Aber Achtung: Die beiden e werden hier lang gesprochen, um sie vom Artikel des Genitiv Singular Maskulinum abzugrenzen. Dies sollte durch einen Akzent markiert werden:
Das Buch dés Studentés.

Dativ. Früher: »Das Buch gehört dem Studenten« oder »der Studentin«.
Jetzt: Das Buch gehört dom Studentom.
Hier wieder mit kurzem Vokal, daher wird kein Akzent benötigt.

Akkusativ: Was dem Dativ sein m, ist dem Akkusativ sein n, also wollen wir es beibehalten. Zusätzlich müssen wir bedenken, dass das im Dativ verwendete o eher maskulin wirkt, folglich nehmen wir nun zum Ausgleich das feminine a:
Ich bewundere dan Studentan.

 

Kommen wir nun zum Plural, der ja wahrscheinlich viel häufiger benötigt wird.
Im Nominativ greifen wir wieder zu einem langen Vokal, behalten aber das i aus dem Nominativ Singular bei:
Dís Studentís müssen viel lernen.

Genitiv, bisher also »die Bücher der StudentInnen« oder auch »der Studierenden«:
Die Bücher disse Studentisse.

Das u ist bisher noch gar nicht vorgekommen, es bietet sich also für die Verwendung im Dativ Plural an:
Die Bücher gehören dús Studentús.

Und schließlich, der Akkusativ:
Ich bewundere dás Studentás.
Natürlich könnte man kritisieren, dass diese von mir vorgeschlagenen Formen völlig unlogisch und willkürlich gewählt sind; darüber hinaus den üblichen Gepflogenheiten der deutschen Sprache widersprechen, denen zufolge das Substantiv eher selten gebeugt wird. Aber das ist ja gerade das Schöne! So wird’s wenigstens so richtig unübersichtlich, und deutschlernende Ausländer deutschlernendís Ausländís können sich sich mal wieder wundern, warum Deutsch von Ausnahmen und Sonderregelungen nur so strotzt.

Nicht zu vergessen: Endlich bekämen wir auch mal ein paar hübsche zusätzliche diakritische Zeichen in die deutsche Sprache statt immer nur der langweiligen ä, ö, ü. Nachdem man lange Jahre seufzen musste, dass wir zwar zum Mond fliegen können, es aber nahezu unmöglich ist, einen Text mit Umlauten fehlerfrei über Landes- und Betriebssystemgrenzen hinweg zu transportieren, hat sich dieser Zustand deutlich verbessert, seitdem UTF-8 auf breiter Front unterstützt wird. Das sollte man nun auch ausnutzen und bei den Sonderzeichen ordentlich zulangen!

Ich freue mich, die deutsche Sprache mit so einer sinnvollen und gerechten Erweiterung bereichert zu haben und warte auf euphorische Zustimmung von dús Sprachwissenschaftlús und Gleichstellungsbeauftragtús.

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